AUTORIN

«Ich schreibe nur, wenn etwas so sehr in mir ist, dass es einfach heraus muss. Dann schreibe gar nicht wirklich ich, es schreibt mir.»

«ORVUSE ON OANWE» - Dudlerinnen in Wien. Lebensgeschichten und Lieder.
Wien, 1996

Pressestimmen

«Schon der Titel des Werkes von Christina Zurbrügg offenbart eine neben dem Dudeln zweite Spezialität: 'Orvuse on Oanwe' ... eine Kostprobe der sogenannten Musikantensprach'.»
(Kurier)

«Zurbrügg läßt jede (Frau) über ihr Leben in eigenen Worten erzählen und kommentiert nur behutsam... Richtiggehend kostbar aber wird dieser Band durch die zum Teil erstmals von Zurbrügg transkribierten Lieder...Mit allerwärmsten Empfehlungen.»
(Anschläge)

«Da kaum redigierend in den Erzählfluß eingegriffen wurde, verbindet sich die Lebensgeschichte jeder einzelnen mit der Zeitgeschichte dieses Jahrhunderts zu ganz besonderen Augenzeuginnenberichten...noch ein bedeutender Bestandteil des Buches: Christina Zurbrügg hat...Lieblingslieder in Wort und Notenschrift transkribiert und so in vielen Fällen eine Pionierinnentat zur Bewahrung weiblichen Liedgutes gesetzt.»
(AUF)

Zu bestellen beim Österreichischen Volksliedwerk.

Textprobe: Einleitung zu «Orvuse on Oanwe»

Die verrauchten und überfüllten Montagabende 'Im alten Draher', nach denen mir Liedzeilen, Dudler- und Ziehharmonikaklänge noch in der Nacht in den Ohren nachklangen, gibt es nicht mehr. Die Wirtin Anny Demuth ist gestorben, die Volkssängerin Poldi Debeljak lebt im Pflegeheim, nur Luise Wagner, das 91jährige 'Zeiserl', und Trude Mally, 68jährige 'Teenagerin' unter den Dudlerinnen, treten noch immer auf. In der Vorstadt Ottakring werden noch immer Wienerlieder gesungen, wird noch immer gedudelt. Auch wenn wir Poldi Debeljak nie mehr 'Wann mich der Herrgott fragert' singen hören, sie nie mehr ihr 'Buckerl' machen und ihre Arme erheben wird, auch wenn Anny Demuth nie mehr 'Wo I geborn' singt mit jenem unvergleichlichen Blick in die Ferne, werden sie allen, die diese Sängerinnen einmal gehört haben, unvergeßlich bleiben. Vielleicht schafft es dieses Buch, auch den Lesenden, die die Sängerinnen nie gehört haben, einen Eindruck von diesen vier Frauen und der Bedeutung der Musik in ihrem Leben zu vermitteln, daß auch sie den Charme dieser einzigartigen Gesangskunst erahnen können. [...]

Viele der Lieder sind erstmals für dieses Buch transkribiert worden und existieren bisher nur in der mündlichen Überlieferung, einige davon auch auf Tonträgern. Diese Lieder wurden ergänzt mit den Harmonien, mit denen die Partner der Sängerinnen die Lieder auf der Ziehharmonika begleiten. Die ausgewählten Lieder und Dudler sind Stücke, die die Frauen zum Teil von ihrer Kindheit an gesungen haben und einen Teil ihres ganz persönlichen Repertoires ausmachen. Natürlich sind auch einige meiner Lieblingslieder mit dabei, und vielleicht greifen auch von den Lesenden einige in einer ruhigen Minute zu Gitarre oder Zieharmonika und entdecken ihre Lieblingsmelodie. Christina Zurbrügg

«NEHKI LIK» - Laß mich dir erzählen.
Wien: edition handmade books, 1996 (1993)

Die Texte «Einmal» und «Manchmal» sind auch in «Großer Ozean. Gedichte für alle.» Weinheim und Basel: Beltz & Gelberg, 2000, hgg. von Hans-Joachim Gelberg, erschienen. Ebenso in: «Was für ein Glück.» Weinheim und Basel: Beltz & Gelberg, 1993, hgg. von Hans-Joachim Gelberg.

«Einmal» ist vertont auf der CD «Erschrocken» zu hören.

«Nehki lik» ist erhältlich bei C. Zurbrügg

Textprobe: «Einmal» aus «Nehki lik»

Einmal verwandle ich mich in ein Tier
das hüpft wie ein Frosch
schleicht wie eine Schnecke
und rennt wie ein Reh.
Ich hab' die Augen von einem Uhu
und kann den Kopf drehen wie ein Falke.
Ich grabe mich wie eine Raupe tief in die Erde
und lasse mich vom Wind an einem Faden durch's Land tragen.
Und ich werde Räder schlagen
wie ein Pfau
gurren wie eine Taube
krächzen wie ein Rabe.
Einmal kommt der Jäger:
und der trifft mich nicht.

«NEGERIN» - Erzählung.
Wien: Apfel-Verlag, 1994
(1993 im Theater Drachengasse uraufgeführt)

Pressestimmen

«'Wunschloses Unglück' aus den Schweizer Bergen ... Mit viel Liebe zum Detail hat Zurbrügg diesen Frauen nachgespürt. Ihre Biographien sind dramatisch und symptomatisch für die Frau als 'Negerin' der Völker ... »
(Die Presse)

« ... ein liebevoller Liederabend: Folklore vom Feinsten und eine wundervolle Stimme.»
(Standard)

« ... man wird von einer faszinierenden Atmosphäre gefangengenommen ... Zusammen mit den drei Musikern K. Trabitsch, P. Rosmanith und N. Eggl läufst sie (C. Zurbrügg) zu Höchstform auf. Da wird der Abend zum Erlebnis, zum Fest.»
(Wiener Zeitung)

Der Text «Vom Mädchen, das alles haben wollte» aus der «Negerin» ist auch in «Die Erde ist mein Haus.» Weinheim und Basel: Beltz & Gelberg, 1988, hgg. von Hans-Joachim Gelberg, erschienen.

Textprobe «Negerin»

Ich will vorne anfangen, soweit es halt geht. Ich habe die zwei Schuhschachteln mit den Fotos aus meinem Sekretär geholt und habe angefangen zu kleben, zwei Schuhschachteln Leben, über das es nichts zu erzählen gibt. Ich habe die Stille der Nacht so gern gehabt, oben in meinem Kämmerlein unter dem Dachgiebel, aus dem Talboden hat der Bach gerauscht, ab und zu hat eine Kuhglocke gebimmelt - und ich habe geordnet und geklebt und die Gicht vergessen. [...]

Plötzlich ist alles ganz schnell gegangen. Ich habe den Käse gesalzen und gewendet, ich habe Restensuppe gekocht, ich habe die Holzscheiter geholt, ich habe die frischen Butterballen gewägt, das Petroleum nachgefüllt, das Brot verkauft, die Wandritzen im Winter mit Zeitungspapier ausgestopft, mit der Haarnadel den Dreck aus den Bodenritzen gekratzt, ich habe die Socken geflickt, den Schüttstein geschrubbt, den vollen Mann ins Bett gebracht, um zwei Uhr nachts noch Wäsche gewaschen, ich habe immer Angst vor Gewittern gehabt, ich habe den Garten umgestochen, bin immer um sechs Uhr aufgestanden, habe Wintersalat im Keller eingeschlagen, ich habe Kinder gefüttert, ich habe Enkel gefüttert, ich habe angefangen, zu vergessen. Gerade noch ist alles vor mir gelegen. Und plötzlich bist du, was du geworden bist. [...]

Hier, die letzte Seite. Ein Bild nur. Das Tal mit dem immer weißen Hausberg. Eine Wolkenschwade steigt auf, eine Wolke steht am Himmel. Eine unbekannte Frau steht im hohen Gras und schaut zum Berg hinauf. Der Rest der Seite ist leer. Keine Schrift mehr, keine Erklärung. Das ist das Ende von diesem Album.

Ich habe einmal von Silbergabeln geträumt, die sich von selber in die Bestecklade legen. Dort schlafen sie und träumen ihren silbernen Traum. Ich bin aufgewacht und habe mich gefragt, was das wohl für ein silberner Traum ist, den Eßbestecke träumen. Es hat einfach kein Traum zu ihnen gepaßt, und schon gar kein silberner.

 

Übersetzung
Garfield, Leon / Edward Blishen: Die Götter des Olymp. Wien: Gabriel Verlag, 1998

Aus dem Englischen von Christina Zurbrügg und Martin Auer. (Martin Auer verfaßt auch Texte für die CD «Erschrocken»)

«Ein literarisches Meisterwerk in kongenialer Übersetzung.»

Kommentare sind geschlossen.